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BitRiver: Vom größten russischen Krypto-Miner zum Symbol staatlicher Kontrolle
Der Zusammenbruch von BitRiver steht laut CoinShares für das Ende einer Phase, in der unabhängige Unternehmen den russischen Krypto-Mining-Sektor prägten. Westliche Sanktionen infolge des Ukraine-Kriegs hätten dazu beigetragen, dass Krypto in das Zentrum der russischen Wirtschaft rückte und dem Kreml Möglichkeiten eröffnete, Energieerlöse außerhalb des Dollar-Systems zu nutzen sowie eine parallele Finanzarchitektur aufzubauen.
BitRiver war bis vor Kurzem Russlands größtes Krypto-Mining-Unternehmen. Bei einem Besuch im Jahr 2019 liefen in der Server-Farm am Stadtrand des sibirischen Bratsk bereits Hunderte Regale mit ASIC-Maschinen, die für Investoren aus Russland, den USA, Japan, Brasilien, Litauen, Indien, Polen und China arbeiteten.
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Nach Schätzungen entfielen bis zu 50 % des gesamten Krypto-Minings in Russland auf BitRiver. Gründer Igor Runets verfügte 2024 über ein geschätztes Vermögen von rund 230 Millionen US-Dollar.
Inzwischen seien die Server abgeschaltet. BitRiver steht unter Sanktionen der USA, hat Konkurs angemeldet und der 39-jährige Runets, ein Stanford-Absolvent, steht unter Hausarrest; zudem zeichnet sich laut CoinShares ein Strafverfahren ab.
| Aspekt | Angabe aus der Quelle |
|---|---|
| Erster Besuch in der Server-Farm | 2019 |
| Anteil am russischen Krypto-Mining | bis zu 50 % |
| Geschätztes Vermögen von Igor Runets | rund 230 Millionen US-Dollar im Jahr 2024 |
| Alter von Igor Runets | 39 Jahre |
„Ich bin sicher, dass es nicht nur bei BitRiver bleiben wird. Das Gesetz wird jetzt durchgesetzt, und die Steuerbehörden prüfen sehr genau, wer was getan hat“, sagte Alexander Kalmykov laut CoinShares.
Infobox: BitRiver verlor seine führende Stellung nach Sanktionen, Konkurs, Streitigkeiten über Verträge und Stromrechnungen sowie Ermittlungen wegen Steuerhinterziehung. CoinShares ordnet den Fall als Hinweis auf eine umfassendere staatliche Übernahme des russischen Krypto-Sektors ein.
En+ und Nornickel verschärfen den Druck auf BitRiver
BitRiver hatte sein Geschäft in strategischer Partnerschaft mit En+ aufgebaut, einem Energiekonzern mit tiefen Verbindungen zum russischen Staat. Eigentümer der Gruppe ist Oleg Deripaska, der laut CoinShares zu den ursprünglichen postsowjetischen Oligarchen Russlands zählt und aus dem sogenannten „Aluminiumkrieg“ der 1990er-Jahre als Gewinner hervorging.
2025 wandte sich En+ gegen seinen bisherigen Partner. En+ und die Tochtergesellschaft Infrastruktura Sibiri reichten mehrere Klagen gegen BitRiver und dessen Tochterunternehmen wegen Vertragsverletzungen und unbezahlter Stromrechnungen ein und gewannen diese Verfahren.
BitRiver wurde praktisch in die Insolvenz gedrängt, nachdem Infrastruktura Sibiri die Behauptung zurückgewiesen hatte, eingefrorene Vermögenswerte zur Schuldentilgung eingesetzt zu haben. Zusätzlich verklagte eine Tochtergesellschaft des russischen Industrieriesen Nornickel BitRiver wegen offener Stromforderungen.
Nornickel wird von Vladimir Potanin geführt, der laut CoinShares ebenfalls ein Oligarch mit langjährigen und engen Beziehungen zu Putin ist. Der Artikel vergleicht die Entwicklung mit bekannten Fällen aus dem postsowjetischen Russland, darunter Yukos und Yandex, bei denen unabhängige oder privat kontrollierte Geschäftsstrukturen unter staatlichen beziehungsweise staatsnahen Einfluss gerieten.
Infobox: Vertragsstreitigkeiten und offene Stromforderungen von En+, Infrastruktura Sibiri und einer Nornickel-Tochtergesellschaft gehörten zu den Faktoren, die BitRiver in die Insolvenz drängten.
Neue Mining-Regeln und Strombeschränkungen treffen die Branche
Die finanziellen Schwierigkeiten von BitRiver waren laut CoinShares teilweise auch eine Folge neuer Regeln für das Krypto-Mining. Russland führte 2024 ein Gesetz zur Regulierung der Branche ein; im Dezember 2024 untersagte oder beschränkte die Regierung Krypto-Mining in einigen Regionen massiv.
Eine von BitRiver errichtete 100-Megawatt-Anlage in Burjatien wurde nie in Betrieb genommen. Die südsibirische Region liegt an der Grenze zur Mongolei; die nicht genutzte Anlage führte laut Quelle zu einem irreversiblen Verlust für BitRiver.
Die Steuerbehörden stellten außerdem fest, dass Kunden von BitRiver Krypto-Mining zur Steuerhinterziehung genutzt hatten. Daraus entwickelten sich Ermittlungen gegen das Unternehmen und gegen Runets, der inzwischen selbst wegen Steuerhinterziehung angeklagt wird.
Alexander Kalmykov, ehemaliger Leiter der Blockchain-Initiativen beim staatlichen Öl- und Gasunternehmen Gazprom Neft und heutiger Leiter der Beratungsgesellschaft Gas Energy Mining, bezeichnete die Vorgänge als Teil eines größeren Trends. Auch Denis Slabakov, Leiter der New Mining Company, beobachtet laut CoinShares ein verstärktes Interesse der Steuerbehörden an Unternehmen der Branche.
„Momentan werden überall Fragen gestellt. Alle, mit denen ich spreche, haben ein gesteigertes Interesse [der Steuerbehörden] bemerkt“, sagte Denis Slabakov laut CoinShares.
Zusätzlicher Druck entsteht durch Einschränkungen bei der Stromversorgung in den russischen Mining-Regionen. Diese hätten Miner aus Regionen mit den günstigsten Strompreisen verdrängt und die durchschnittlichen Kosten für den wichtigsten Produktionsfaktor erhöht.
Nach Einschätzung von Kalmykov werden künftig vor allem Akteure mit eigenen Energiequellen bestehen können. Dazu zählen insbesondere Öl- und Gasunternehmen, die in Russland bereits eigenes Mining auf Gasbasis betreiben.
„Stromerzeugung mit Erdgas ist bei den aktuellen Energiepreisen die einzige rentable Option“, sagte Kalmykov laut CoinShares.
Michael Jerlis, Gründer und CEO des Hongkonger Mining-Unternehmens EMCD, erwartet ebenfalls eine stärkere Konzentration zugunsten staatsnaher Akteure. Öl- und Gasunternehmen sowie Banken sollen bereits über Mining-Kapazitäten verfügen.
„Das ASIC-Hosting-Geschäft stirbt“, sagte Jerlis laut CoinShares und ergänzte, dass kleinere Miner aus dem Markt gedrängt würden.
- Die neuen Regeln schreiben eine Registrierung bei Bundesbehörden und die Besteuerung von Minern vor.
- Stromeinschränkungen erhöhen die durchschnittlichen Betriebskosten.
- Eigene Energiequellen werden laut der im Artikel zitierten Einschätzung wichtiger.
- Kleinere Miner und unabhängige Gründer geraten stärker unter Druck.
Infobox: Die Kombination aus Regulierung, Steuerprüfungen und höheren Energiekosten begünstigt laut CoinShares eine Konsolidierung des Minings bei großen institutionellen und staatsnahen Unternehmen.
Russland behandelt Krypto-Mining als strategische Infrastruktur
Seit 2024 geht Russland laut CoinShares systematisch dazu über, den Krypto-Sektor unter staatliche Kontrolle zu bringen. Mining-Gesetze verlangen eine Registrierung bei Bundesbehörden und die Besteuerung der Miner.
Unter Aufsicht der Zentralbank wurde Krypto für grenzüberschreitenden Handel legalisiert. Große Energie- und Finanzunternehmen in Staatshand reagierten auf diese Entwicklung: Gazprom gründete eine eigene Mining-Tochtergesellschaft und stellte Berichten zufolge 500 Millionen US-Dollar dafür bereit.
Auch Rosatom, Rusal und weitere staatlich verbundene Institutionen nutzen Mining inzwischen als zusätzliche Einnahmequelle. CoinShares beschreibt diese Entwicklung als Übergang von einem Randphänomen zu einer kritischen Infrastruktur.
Im ersten Halbjahr 2025 wickelte Russland laut Boris Titov, Putins Sonderbeauftragtem für die Beziehungen zu internationalen Organisationen, Kryptoexporte und -importe im Wert von mehr als 12,5 Milliarden US-Dollar ab. Russlands gesamter Außenhandelsumsatz belief sich 2025 auf 697 Milliarden US-Dollar.
| Kennzahl | Angabe aus der Quelle |
|---|---|
| Kryptoexporte und -importe Russlands | mehr als 12,5 Milliarden US-Dollar im ersten Halbjahr 2025 |
| Gesamter Außenhandelsumsatz Russlands | 697 Milliarden US-Dollar im Jahr 2025 |
| Von Gazprom bereitgestellter Betrag für eine Mining-Tochtergesellschaft | 500 Millionen US-Dollar |
Infobox: Staatliche Energie- und Finanzunternehmen bauen ihre Rolle im Mining aus. Russland verbindet die Regulierung des Sektors mit der Nutzung von Krypto für grenzüberschreitende Transaktionen.
A7A5 und neue Regeln für Kryptotransaktionen
Die russische Regierung unterstützte A7A5, einen durch den Rubel gesicherten digitalen Token. Der Token wurde gemeinsam vom russischen Unternehmen A7, dem kirgisischen Unternehmen Old Vector und der russischen PromStroyBank aufgelegt und ist speziell für grenzüberschreitende Transaktionen außerhalb des westlichen Finanzsystems strukturiert.
Obwohl die USA den Coin im August 2025 sanktionierten, wuchs er laut CoinShares schnell. Oleg Ogienko, Director for Regulatory and Overseas Affairs bei A7A5, zufolge erreichte A7A5 eine Marktkapitalisierung von über 535 Millionen US-Dollar und verarbeitete zwischen Februar 2025 und Februar 2026 ein gesamtes Transaktionsvolumen von 100 Milliarden US-Dollar.
| A7A5-Kennzahl | Angabe aus der Quelle |
|---|---|
| Sanktionierung durch die USA | August 2025 |
| Marktkapitalisierung | über 535 Millionen US-Dollar |
| Transaktionszeitraum | Februar 2025 bis Februar 2026 |
| Gesamtes Transaktionsvolumen | 100 Milliarden US-Dollar |
Der im April im nationalen Parlament vorgestellte neue Kryptogesetzentwurf sieht vor, dass Kryptowährungen weiterhin als Vermögenswerte gelten, die gekauft und verkauft werden können, jedoch nicht als gesetzliches Zahlungsmittel. Nicht qualifizierte Anleger sollen über lizenzierte Broker jährlich nur begrenzte Mengen der „liquidesten“ Kryptos erwerben dürfen.
Gleichzeitig soll der Gesetzentwurf Kryptozahlungen bei Export- und Importvorgängen vollständig legalisieren und regulieren. Die Verabschiedung und Unterzeichnung des neuen Gesetzes wurde laut CoinShares noch bis zum Sommer erwartet.
Yuriy Brisov, ein in Europa ansässiger Partner der russischen Kanzlei Digital & Analog Partners, erwartet, dass das Gesetz kleineren Kryptounternehmen das Überleben erschweren wird. Kryptobörsen müssten eine lokale Lizenz erwerben, die nach seiner Einschätzung nur große russische Banken und traditionelle Exchanges erhalten können.
„Die Branche werde zwar legalisiert, allerdings auch ‚vollständig eingefroren‘“, sagte Yuriy Brisov laut CoinShares.
Brisov zufolge würden offizielle russische Kryptobörsen vom globalen Markt abgeschnitten, da ihnen Sanktionen drohen könnten. Die Politik der Zentralbank orientiere sich nach seiner Einschätzung nicht an Marktanforderungen, sondern an den Interessen des Staates, der Krypto zur Umgehung von Sanktionen einsetzen könne.
Infobox: Der Gesetzesentwurf verbindet einen regulierten Zugang für bestimmte Kryptotransaktionen mit Einschränkungen für nicht qualifizierte Anleger und lokalen Lizenzanforderungen für Kryptobörsen.
Politische Verbindungen und staatliche Krypto-Bestände
Die politische Beteiligung am russischen Krypto-Mining-Sektor hat sich laut CoinShares in den vergangenen Jahren ausgeweitet. 2023 erwarb das Unternehmen des ehemaligen Kommunikationsministers Nikolay Nikiforov ein Kraftwerk mit dem Ziel, in dessen Nähe eine Mining-Anlage zu eröffnen.
Die unabhängigen Nachrichtenseiten Verstka und Novaya Gazeta Europe fanden laut CoinShares indirekte Verbindungen zwischen zahlreichen russischen Mining-Unternehmen und Parlamentsmitgliedern sowie ehemaligen Amtsträgern. Dazu zählen Verwandte der russischen Parlamentsmitglieder Andrey Lugovoy und Valery Seleznev sowie Personen aus dem Umfeld des Putin-Freundes und Bankers Yury Kovalchuk.
Der russische Staat könnte zudem zu einem bedeutenden Kryptoinhaber werden. Neue Änderungen des Strafrechts, die Putin im Februar dieses Jahres unterzeichnete, ermöglichen im Rahmen von Strafverfahren neben der Beschlagnahmung anderen Eigentums auch die Beschlagnahmung von Krypto.
Parallel entwickelt die Bank Rossii den digitalen Rubel, dessen Einführung für September vorgesehen ist. Das Finanzministerium hat außerdem eine Roadmap zur Tokenisierung realer Vermögenswerte vorgelegt, die Investitionen in russische Vermögenswerte erleichtern soll.
Infobox: Neben Mining und grenzüberschreitenden Transaktionen umfasst die staatliche Krypto-Strategie laut CoinShares auch Strafrechtsänderungen, den digitalen Rubel und die Tokenisierung realer Vermögenswerte.
Fazit: Unabhängige Miner verlieren an Bedeutung
CoinShares beschreibt BitRiver als Beispiel für einen strukturellen Wandel in Russland. Ein unabhängiger Marktteilnehmer wurde durch Sanktionen, Rechtsstreitigkeiten, unbezahlte Stromrechnungen, neue Regulierung, Steuerermittlungen und Strombeschränkungen geschwächt.
Gleichzeitig übernehmen staatliche und staatsnahe Energie-, Finanz- und Industrieunternehmen eine größere Rolle. Die russische Regierung behandelt die Kryptoindustrie zunehmend als strategische nationale Infrastruktur und verbindet sie mit Energiepolitik, Außenhandel, Sanktionsumgehung und staatlicher Finanzplanung.
Die zentrale Frage lautet laut CoinShares, wer die russische Kryptoindustrie künftig aufbauen und an ihr verdienen darf. Der Artikel kommt zu dem Schluss, dass die Richtung des Kremls eindeutig sei: Krypto soll nicht länger einem unabhängigen Markt überlassen werden.
Infobox: Der Fall BitRiver steht laut CoinShares für die Verlagerung der Kontrolle über Russlands Krypto-Sektor von unabhängigen Unternehmen hin zu staatlichen und staatsnahen Akteuren.
Sources:













